Spanische Grammatik für Deutschsprachige

Diese Seite sammelt die Grammatikregeln, die beim Spanischlernen als Deutschsprachiger am häufigsten zu Fehlern führen, jede davon im Vergleich zum Deutschen erklärt: was gleich funktioniert, was anders ist und wo eine wörtliche Übersetzung in die Irre führt. Sie ist zum Nachschlagen gedacht, nicht zum Durchlesen: am besten in einem Tab offen halten und bei Bedarf die passende Regel aufrufen.

Presente de indicativo

Die Endung zeigt schon, wer handelt, deshalb lässt das Spanische das Subjektpronomen meistens weg, während das Deutsche es fast immer braucht.

Im Deutschen braucht jeder Satz ein ausdrückliches Subjekt: ich mache, du machst, ohne Pronomen fehlt etwas. Im Spanischen zeigt die Verbendung selbst, wer handelt, deshalb steht yo, tú oder él meistens gar nicht da: hablo heißt schon von allein ich spreche. Ist klar, wer gemeint ist, bleibt das Pronomen normalerweise weg. Ausgesprochen wird es vor allem für einen Kontrast (yo hablo español, él habla inglés), zur Betonung oder zur Klärung, etwa wenn habla sonst er, sie oder Sie heißen könnte und erst ella habla sagt, wer spricht.

Es gibt drei Verbklassen nach der Endung des Infinitivs, -ar, -er und -ir, mit je eigenen Endungen für die sechs Personen. Bei manchen Verben ändert sich der Stammvokal, e wird zu ie (quiero, quieres, quiere) oder o zu ue (puedo, puede), aber nicht in nosotros und vosotros. Das Prinzip ist dem Deutschen vertraut, starke Verben wie fahren ändern den Stammvokal ebenfalls nur in bestimmten Personen (du fährst, er fährt, aber ich fahre), nur betrifft es im Spanischen andere Personen und andere Verben, die Liste muss neu gelernt werden.

Bei einer Gruppe von Verben ist die erste Person Singular unregelmäßig, hago, salgo, conozco, veo, sonst folgen sie dem normalen Muster. Manche Verben haben eine unregelmäßige yo-Form zusätzlich zu anderen Unregelmäßigkeiten: tener hat tengo und dazu den Stammwechsel tienes, tiene, tienen. Wer aus dem Deutschen kommt und jeden Satz mit yo beginnt, weil das Weglassen des Subjekts ungewohnt ist, schreibt kein falsches Spanisch, aber ein auffällig betontes: yo hablo, yo como, yo vivo klingt, als würde in jedem Satz ein Gegensatz markiert, den es gar nicht gibt.

Endungen und Stammwechsel
-ar: hablarhablo, hablas, habla, hablamos, habláis, hablan
-er: comercomo, comes, come, comemos, coméis, comen
-ir: vivirvivo, vives, vive, vivimos, vivís, viven
e > ie (querer)quiero, quieres, quiere, queremos, queréis, quieren, nicht in wir/ihr
o > ue (poder)puedo, puedes, puede, podemos, podéis, pueden, nicht in wir/ihr
e > i (pedir, nur -ir)pido, pides, pide, pedimos, pedís, piden
unregelmäßige yo-Formhago, salgo, conozco, veo, nur 1. Person Singular
yo-Form plus Stammwechsel (tener)tengo, tienes, tiene, tenemos, tenéis, tienen
Subjektpronomenmeist weggelassen, die Endung zeigt die Person

Beispiele

  • Vivo en Madrid desde hace tres años.Ich wohne seit drei Jahren in Madrid.
  • Ella no entiende, pero yo sí entiendo la broma.Sie versteht es nicht, aber ich verstehe den Witz schon.
  • Pedimos la cuenta y pagamos enseguida.Wir bitten um die Rechnung und bezahlen sofort.
  • Salgo de casa a las ocho.Ich gehe um acht aus dem Haus.

Achtung, Falle: Der typische Fehler ist nicht eine falsche Form, sondern zu viele Pronomen: yo vor jedem Verb, aus reiner Gewohnheit, klingt für spanische Ohren wie eine Kette von Betonungen.

Ser y estar

Wo das Deutsche für alles nur sein hat, verlangt das Spanische jedes Mal eine Entscheidung zwischen ser für Wesen und Herkunft und estar für Ort und Zustand.

Das Deutsche kennt für sein nur ein Verb, egal ob es um Herkunft, Beruf, Ort oder Zustand geht: ich bin Lehrer, ich bin in Berlin, ich bin müde, überall bin. Das Spanische teilt genau das in zwei Verben, ser und estar, und wer aus dem Deutschen kommt, hat dafür kein eingebautes Gefühl, das Deutsche gibt keinen Hinweis, welches der beiden gemeint ist.

Ser identifiziert, ordnet ein und charakterisiert: wer oder was jemand oder etwas ist (Beruf, Herkunft, Material), welche Eigenschaften es kennzeichnen, dazu Uhrzeit und Datum und der Ort einer Veranstaltung (la boda es en la iglesia). Estar beschreibt, wo sich Personen und Dinge befinden (estoy en casa) und in welchem Zustand sie sind, oft als Ergebnis einer Veränderung (la puerta está abierta, estoy cansado), dazu gehört auch estar mit Gerundio für eine Handlung, die gerade läuft oder eine Zeit lang andauert (estoy leyendo un libro estos días).

Die verbreitete Faustregel „ser ist dauerhaft, estar ist vorübergehend“ taugt höchstens als grobe Eselsbrücke und führt oft zu Fehlern. Die Dauer entscheidet nicht: está muerto ist endgültig und nimmt trotzdem estar, es joven ändert sich mit der Zeit und nimmt trotzdem ser. Entscheidend ist, ob der Satz etwas einordnet und charakterisiert oder einen Zustand, ein Ergebnis oder eine Lage beschreibt.

Bei manchen Adjektiven ändert das Verb sogar die Bedeutung: ser aburrido heißt langweilig sein, estar aburrido heißt gelangweilt sein, genau die Unterscheidung, die das Deutsche mit zwei verschiedenen Wörtern trifft, langweilig gegen gelangweilt. Wer diesen Unterschied im Deutschen schon im Kopf hat, muss ihn nur auf ein anderes Verb übertragen statt auf ein anderes Wort.

Ser oder estar
serIdentität, Einordnung, Charakterisierung: Beruf, Herkunft, Eigenschaften, Uhrzeit und Datum, Ort von Veranstaltungen
estarOrt von Personen und Dingen, Zustand oder Ergebnis (está cansado, está abierta), estar + Gerundio
dauerhaft oder vorübergehend?entscheidet nicht: está muerto (estar, endgültig), es joven (ser, ändert sich)
aburrido/aser aburrido = langweilig sein, estar aburrido = gelangweilt sein
listo/aser listo = klug sein, estar listo = bereit sein
malo/aser malo = schlecht oder böse sein, estar malo = krank sein
la boda es en la iglesiaser, nicht estar, weil die Hochzeit als Ereignis beschrieben wird

Beispiele

  • Mi hermano es médico y ahora está de vacaciones en Portugal.Mein Bruder ist Arzt und macht gerade Urlaub in Portugal.
  • La reunión es en la oficina, no en el bar.Das Treffen findet im Büro statt, nicht in der Bar.
  • Normalmente es muy simpático, pero hoy está de mal humor.Normalerweise ist er sehr sympathisch, aber heute ist er schlecht gelaunt.
  • Estamos estudiando español desde enero.Wir lernen seit Januar Spanisch.

Achtung, Falle: Der Ort einer Veranstaltung nimmt ser, nicht estar, obwohl jeder Ortsangabe-Instinkt zu estar zieht: la fiesta es en mi casa, nicht está, weil das Fest als Ereignis beschrieben wird und nicht als Gegenstand, der irgendwo steht.

Género, número y artículos

Jedes Substantiv hat ein Genus wie im Deutschen, aber nur zwei statt drei, und die spanische Endung verrät es zuverlässiger als die deutsche Übersetzung desselben Wortes.

Das Deutsche kennt für Substantive drei Genera, das Spanische nur zwei, aber die Grundidee, dass jedes Ding grammatisch männlich oder weiblich behandelt wird, ist für einen deutschen Sprecher nichts Neues, anders als für jemanden, dessen Sprache gar kein Genus kennt.

Das Genus lässt sich aber nicht von einem Wort zum anderen übertragen. Das Mädchen ist im Deutschen sächlich, la chica im Spanischen weiblich, das Auto ist sächlich, el coche männlich, der Tisch ist männlich, la mesa weiblich. Verlässlicher als die deutsche Entsprechung ist die spanische Endung selbst: -o ist meistens männlich (el libro), -a meistens weiblich (la mesa), mit Ausnahmen wie la mano, die trotz -o weiblich ist, einer Gruppe meist griechischen Ursprungs, die trotz -a männlich ist, el problema, el tema, el planeta, und einzelnen anderen männlichen Wörtern auf -a wie el día und el mapa, die nicht aus dem Griechischen kommen (mapa stammt aus lateinisch mappa). Personenbezeichnungen griechischen Ursprungs auf -a sind dagegen oft für beide Geschlechter gleich: el atleta, la atleta.

Der Plural ist im Spanischen weitgehend regelmäßig, ohne Umlaut und ohne die vielen deutschen Pluralendungen, das ist eine der wenigen Stellen, an denen Spanisch tatsächlich einfacher ist. Als vereinfachte Grundregel gilt: -s nach Vokal, -es nach Konsonant (casas, ciudades). Bei Konsonanten gibt es aber wichtige Ausnahmen: viele Lehnwörter nehmen nur -s (el robot, los robots), Wörter auf unbetontes -s oder -x bleiben im Plural gleich (el lunes, los lunes; la crisis, las crisis), und aus -z wird -ces (la luz, las luces).

Die Verschmelzung von Präposition und Artikel ist dem Deutschen ebenfalls vertraut, zu dem wird zu zum, in dem zu im, im Spanischen passiert dasselbe nur in zwei Fällen, a el wird zu al, de el zu del, nie mit la.

Genus, Plural und Verschmelzung
-omeist maskulin: el libro, Ausnahme la mano
-ameist feminin: la mesa, Ausnahmen el día, el mapa, el problema
-ción, -sión, -dad, -tudimmer feminin: la nación, la ciudad
-ma griechischen Ursprungshäufig maskulin: el problema, el tema; außerdem einige maskuline Wörter auf -a wie el planeta, el día, el mapa
Plural (Grundregel)+s nach Vokal, +es nach Konsonant: casas, ciudades; Ausnahmen: robots, los lunes, luces
a + elal, wie zum aus zu + dem
de + eldel, wie im aus in + dem
Artikelkeine Deklination nach Fall, nur Genus und Numerus

Beispiele

  • El coche de mi padre es muy viejo.Das Auto meines Vaters ist sehr alt.
  • La mano derecha me duele desde ayer.Die rechte Hand tut mir seit gestern weh.
  • Compramos flores para las mesas del salón.Wir kaufen Blumen für die Tische im Saal.
  • El problema no tiene una solución fácil.Das Problem hat keine einfache Lösung.

Achtung, Falle: Der naheliegende Fehler ist, das deutsche Genus eins zu eins zu übernehmen, der Tisch legt el nahe, aber la mesa ist weiblich, das spanische Genus muss über die spanische Endung gelernt werden, nicht über die deutsche Übersetzung.

Pronombres personales, de objeto y reflexivos

Das Deutsche unterscheidet Akkusativ und Dativ bei den Objektpronomen genauso wie das Spanische lo/la und le, nur folgen die Regeln, wann sich eins von beiden in se verwandelt oder an das Verb anhängt, ausschließlich dem Spanischen.

Das Deutsche unterscheidet bei Objektpronomen zwischen Akkusativ und Dativ, mich gegen mir, ihn gegen ihm, genau die Unterscheidung, die das Spanische mit lo/la für das direkte und le für das indirekte Objekt trifft. Die Idee ist also bekannt, nur die Formen sind neu, dazu kommen spanische Besonderheiten ohne deutsche Entsprechung.

Lo für das direkte Objekt ist die Grundregel. In Spanien hört man aber ständig le als direktes Objekt für eine einzelne männliche Person: a Juan le vi ayer statt a Juan lo vi ayer. Dieser leísmo ist von der RAE für eine männliche Person im Singular anerkannt und in weiten Teilen Spaniens üblich. Für Dinge und für Frauen ist er nicht anerkannt: el libro lo tengo, a María la vi ayer.

Steht le oder les direkt vor lo, la, los oder las, wird daraus se: se lo doy, nicht le lo doy. Im Deutschen gibt es dafür keinen Grund, ich gebe es ihm setzt Akkusativ und Dativ nebeneinander, weil es und ihm schon verschieden klingen, im Spanischen wich die Sprache dem zu ähnlichen le lo aus.

In der 3. Person fällt bei Reflexivpronomen Genus und Numerus weg, se gilt für er, sie, es und den Plural, das kennt das Deutsche mit dem unveränderlichen sich. Anders als im Deutschen verschwindet im Spanischen aber auch der Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ, in allen Personen: me lavo und me lavo las manos benutzen dasselbe me, wo das Deutsche mich und mir trennt.

Bei Infinitiv, Gerundio und bejahtem Imperativ hängen die Pronomen als ein Wort an das Verb, decírmelo, dímelo. Bei vielen Verbalperiphrasen, etwa mit poder, querer, ir a oder estar + Gerundio, darf das Pronomen auch vor dem konjugierten Verb stehen: puedo hacerlo oder lo puedo hacer, estoy haciéndolo oder lo estoy haciendo. Beide Stellungen sind dort richtig und im Alltag sehr verbreitet. Das gilt aber nicht für jede Verbindung aus konjugiertem Verb und Infinitiv oder Gerundio. Das Deutsche hängt Pronomen nie an ein Verb, sie bleiben eigene Wörter an ihrem festen Platz.

Objekt- und Reflexivpronomen
lo, la, los, lasdirektes Objekt, Akkusativ: lo veo
le, lesindirektes Objekt, Dativ: le doy el libro
le für eine männliche Person (Spanien)als direktes Objekt anerkannt und verbreitet: a Juan le vi ayer, Grundregel bleibt lo vi
le/les vor lo/la/los/laswird zu se: se lo doy, nicht le lo doy
me, te, nos, os1. und 2. Person, Akkusativ und Dativ gleich: me lavo, me lavo las manos
se3. Person reflexiv, unveränderlich für Genus und Numerus: se lava, se lavan
Stellung bei Infinitiv, Gerundio, bejahtem Imperativangehängt: decírmelo, dímelo, diciéndomelo
Stellung bei verneintem Imperativdavor, als eigenes Wort: dímelo, aber no me lo digas
viele Verbalperiphrasen (poder, ir a, estar + Gerundio)angehängt oder davor: puedo hacerlo / lo puedo hacer, estoy haciéndolo / lo estoy haciendo
Stellung bei konjugiertem Verbdavor, als eigenes Wort: me lo dice

Beispiele

  • Le doy el regalo a mi hermana.Ich gebe meiner Schwester das Geschenk.
  • Se lo doy a ella mañana.Ich gebe es ihr morgen.
  • Me lavo las manos antes de comer.Ich wasche mir vor dem Essen die Hände.
  • ¿Puedes dármelo esta tarde?Kannst du es mir heute Nachmittag geben?

Achtung, Falle: Der Unterschied zwischen mich und mir verschwindet im Spanischen für die eigene Person, me deckt beides ab, me lavo für mich und me lavo las manos für mir, ein deutscher Sprecher sucht hier oft nach zwei verschiedenen Formen, die es nicht gibt.

Gustar und die Verben, die andersherum gebaut sind

Bei gustar richtet sich das Verb nach seinem grammatischen Subjekt, meistens der Sache, die gefällt, und nicht nach der Person, der sie gefällt, genau wie bei deutsch gefallen, nur dass Spanisch davor zwingend ein Pronomen wie me, le oder les verlangt, auch wenn die Person schon genannt ist.

Wer gustar wörtlich mit Englisch vergleicht, stolpert über die umgedrehte Satzstellung. Wer Deutsch als Vergleich nimmt, hat sie schon: das gefällt mir und (eso) me gusta funktionieren identisch, das Verb richtet sich nach seinem grammatischen Subjekt, und das ist meistens die Sache, die gefällt, nicht die Person, der sie gefällt. So bekommt me gustan los perros genau wie mir gefallen die Hunde die Mehrzahl, weil los perros/die Hunde das Subjekt sind.

Zu dieser Familie gehören encantar (sehr gefallen, fast lieben), interesar, molestar, doler, faltar und importar. Alle folgen demselben Muster: Objektpronomen plus Verb, und das Verb stimmt mit seinem Subjekt überein. Weil das, was gefällt oder stört, meistens eine Sache ist, sieht man diese Verben sehr oft in der dritten Person Singular oder Plural (me gusta el libro, me gustan los libros). Die dritte Person gehört aber nicht zur Konstruktion: ist das Subjekt eine Person, steht das Verb in deren Person, me gustas tú, te gusto yo, me importas tú, genau wie im Deutschen du gefällst mir.

Der Unterschied zu gefallen liegt woanders. Steht die Person zusätzlich als Name da, verdoppelt Spanisch das Pronomen zwingend: a Pedro le gusta el fútbol, wörtlich dem Pedro ihm gefällt Fußball. Deutsch verdoppelt hier nicht, Peter gefällt Fußball kommt ohne ihm aus. Diese Verdopplung ist keine Betonung, sie ist Pflicht, und sie fehlt am häufigsten genau dort, wo der Name schon dasteht.

Die gustar-Familie
gustargefallen
encantarsehr gefallen, fast lieben
interesarinteressieren
molestarstören
dolerwehtun
faltarfehlen
importarwichtig sein, ausmachen

Beispiele

  • A mi madre le encantan las películas antiguas.Meiner Mutter gefallen alte Filme sehr.
  • Nos duele la cabeza después de la fiesta.Uns tut nach der Party der Kopf weh.
  • A los niños les falta paciencia.Den Kindern fehlt es an Geduld.

Achtung, Falle: Wer den Satz vom genannten Namen her denkt, lässt das zusätzliche le weg, weil das deutsche Dativobjekt allein steht: a Pedro le gusta wird fälschlich zu a Pedro gusta, obwohl das Pronomen neben dem Namen Pflicht bleibt.

Pretérito indefinido: der abgeschlossene Block in der Vergangenheit

Das indefinido erzählt ein Ereignis, das in der Vergangenheit beginnt und endet, unabhängig davon, ob der Satz förmlich klingt, das ist etwas anderes als der deutsche Unterschied zwischen Präteritum und Perfekt, der vor allem eine Frage von Stil und Region ist.

Im gesprochenen Deutsch überwiegt das Perfekt, im Süden und in Österreich besonders stark, egal ob von gestern oder von letztem Jahr die Rede ist: ich habe gestern gegessen klingt völlig normal. In weiten Teilen Spaniens funktioniert das nicht so. Dort richtet sich die Wahl zwischen indefinido und pretérito perfecto vor allem nach dem Zeitrahmen, nicht nach Förmlichkeit: mit ayer, anoche, el año pasado oder la semana pasada steht typischerweise das indefinido, weil der Zeitraum abgeschlossen ist, mit hoy oder esta semana häufig das perfecto, weil der Rahmen noch offen ist.

Das indefinido trägt außerdem eine Reihe unregelmäßiger Stämme, die im Alltag ständig vorkommen: tuve, hice, dije, pude, quise, supe, estuve, vine, dazu fui für ser und ir gleichermaßen. Der tatsächliche Gebrauch schwankt aber regional und je nach Blickwinkel des Sprechers: in weiten Teilen Lateinamerikas, auf den Kanaren und im Nordwesten Spaniens wird das indefinido auch dort benutzt, wo man in Madrid eher das perfecto hört. Die hier beschriebene Verteilung ist eine nützliche Orientierung für einen großen Teil Spaniens, keine starre Regel.

Endungen und wichtige Unregelmäßige
-ar: -é, -aste, -ó, -amos, -asteis, -aronregelmäßige Endungen
-er/-ir: -í, -iste, -ió, -imos, -isteis, -ieronregelmäßige Endungen
ser/ir: fui, fuiste, fue, fuimos, fuisteis, fueronidentische Formen für beide Verben
tener: tuve, tuviste, tuvo...unregelmäßiger Stamm tuv-
hacer: hice, hiciste, hizo...unregelmäßiger Stamm hic-/hiz-
decir: dije, dijiste, dijo...unregelmäßiger Stamm dij-, kein i in der dritten Mehrzahl: dijeron
poder: pude, pudiste, pudo...unregelmäßiger Stamm pud-
estar: estuve, estuviste, estuvo...unregelmäßiger Stamm estuv-

Beispiele

  • Ayer cené con mi hermano en el centro.Gestern habe ich mit meinem Bruder in der Innenstadt zu Abend gegessen.
  • El año pasado estuvimos tres semanas en Portugal.Letztes Jahr waren wir drei Wochen in Portugal.
  • Anoche llegamos tarde a casa.Gestern Abend kamen wir spät nach Hause.

Achtung, Falle: Die deutsche Gewohnheit, im Gespräch meist das Perfekt zu nehmen, führt zu Sätzen wie ayer he comido en casa, obwohl man in weiten Teilen Spaniens nach ayer typischerweise comí sagt, weil die Wahl dort vor allem dem Zeitrahmen folgt und nicht der Sprechsituation.

Pretérito imperfecto: die unfertige Vergangenheit

Das imperfecto beschreibt einen Zustand, eine Gewohnheit oder eine laufende Handlung ohne Anfang oder Ende im Blick, das deutsche Präteritum zeigt diesen Unterschied nicht in der Form, sondern nur über den Kontext.

Ich aß jeden Tag Brot und ich aß das Brot benutzen im Deutschen dieselbe Verbform, ob gemeint ist, gewohnheitsmäßig oder einmalig, ergibt sich allein aus dem Satz drumherum. Spanisch zwingt hier zu einer Formentscheidung: Beschreibung, Hintergrund, Gewohnheit ohne Zählung und Zeit- oder Altersangaben in der Vergangenheit nehmen imperfecto, ein einzelnes abgeschlossenes Ereignis nimmt indefinido.

Die Formen sind auffällig regelmäßig, es gibt nur drei unregelmäßige Verben im ganzen imperfecto: ser (era), ir (iba) und ver (veía). Alles andere folgt strikt -aba für -ar-Verben und -ía für -er/-ir-Verben, ohne Ausnahme.

Weil das deutsche Präteritum keinen Hinweis liefert, welche der beiden spanischen Formen gemeint ist, hilft nur, die Funktion des Satzes zu erkennen: Steht die Handlung im Hintergrund, während etwas anderes passiert, oder beschreibt sie einen dauerhaften Zustand, ist imperfecto fast immer richtig.

Formen
-ar: -aba, -abas, -aba, -ábamos, -abais, -abanregelmäßig, keine Ausnahmen
-er/-ir: -ía, -ías, -ía, -íamos, -íais, -íanregelmäßig, keine Ausnahmen
ser: era, eras, era, éramos, erais, eranunregelmäßig
ir: iba, ibas, iba, íbamos, ibais, ibanunregelmäßig
ver: veía, veías, veía, veíamos, veíais, veíanunregelmäßig, behält das e von ver-

Beispiele

  • Cuando era pequeña, jugaba en el parque todas las tardes.Als sie klein war, spielte sie jeden Nachmittag im Park.
  • Eran las tres de la tarde y hacía mucho calor.Es war drei Uhr nachmittags und es war sehr heiß.
  • Mientras yo cocinaba, mi hermano ponía la mesa.Während ich kochte, deckte mein Bruder den Tisch.

Achtung, Falle: Wer einen deutschen Präteritum-Satz Wort für Wort überträgt, greift oft automatisch zum indefinido, weil es sich wie die normale Vergangenheit anfühlt, genau dort, wo der Satz eigentlich eine Bühne oder einen Zustand beschreibt und imperfecto verlangt, ohne dass das Deutsche irgendein Signal dafür gibt.

Indefinido oder imperfecto: welche Vergangenheit wählen

Das imperfecto liefert die Bühne, das indefinido bringt das Ereignis, das die Geschichte einen Schritt weiterbringt, eine Entscheidung, die das Deutsche gar nicht trifft, weil das Präteritum für beides gleich aussieht.

Das klassische Muster kombiniert beide Formen in einem Satz: Der Hintergrund steht im imperfecto, das punktuelle Ereignis, das ihn unterbricht, im indefinido. Cuando llegué, mis padres dormían trennt sauber das Ankommen (ein Moment) vom Schlafen (ein Zustand), eine Trennung, die im deutschen als ich ankam, schliefen meine Eltern zwar im Sinn steckt, aber nicht in der Verbform sichtbar wird.

Bei einer Handvoll Verben legt die Zeitform im Kontext oft eine andere deutsche Übersetzung nahe, und hier hilft Deutsch teils, teils nicht. Bei conocer hat Deutsch bereits zwei verschiedene Wörter, kennen für den Zustand (conocía, kannte) und häufig kennenlernen für den Moment des ersten Treffens (conocí, lernte kennen). Bei querer und poder fehlt diese Hilfe: wollte deckt sowohl quería als auch quise ab, und verneintes no quiso versteht man oft als weigerte sich; konnte deckt podía (war fähig, hatte die Möglichkeit) und pude ab, das oft heißt, dass man es tatsächlich geschafft hat, aber nicht in jedem Kontext.

Das sind häufige Deutungen im Zusammenhang, keine festen Übersetzungen. Die Zeitform selbst ändert zunächst nur den Blick auf das Geschehen: tuve un coche durante diez años heißt einfach ich hatte zehn Jahre lang ein Auto, abgeschlossen betrachtet, tenía un coche beschreibt denselben Besitz als Hintergrund.

Häufige Deutungen im Kontext
conocer: conocí / conocíaoft: lernte kennen (Moment) / kannte (Zustand)
saber: supe / sabíaoft: erfuhr (Moment) / wusste (Zustand)
querer: quise / queríawollte (abgeschlossen betrachtet), verneint oft: weigerte sich / wollte, wünschte sich (Hintergrund)
poder: pude / podíaoft: schaffte es, aber nicht in jedem Kontext / konnte, war fähig
tener: tuve / teníahatte, als abgeschlossener Zeitraum (tuve un coche durante diez años) / hatte, als Hintergrund

Beispiele

  • Cuando llegué a casa, mis padres ya dormían.Als ich nach Hause kam, schliefen meine Eltern schon.
  • Conocí a mi mejor amiga en el colegio.Ich lernte meine beste Freundin in der Schule kennen.
  • Quise ser piloto de joven, pero mis padres no me dejaron.In meiner Jugend wollte ich Pilot werden, aber meine Eltern erlaubten es mir nicht.

Achtung, Falle: Bei quise/quería oder pude/podía greift man zur bekannten deutschen Übersetzung wollte oder konnte und überträgt sie unverändert, obwohl das Deutsche für beide spanischen Zeiten dieselbe Form hat und keinen Hinweis liefert, welche der beiden gemeint ist.

Pretérito perfecto: die Vergangenheit mit Gegenwartsbezug

Das pretérito perfecto (he/has/ha + Partizip) nimmt immer haber, nie ein zweites Hilfsverb wie im Deutschen, und steht in weiten Teilen Spaniens typischerweise für Vergangenes in einem Zeitraum, der als noch offen gesehen wird (oft mit hoy, esta semana, ya): für einen abgeschlossenen Zeitraum wie ayer oder el año pasado nimmt man dort meist das indefinido.

Wie im Deutschen wird das pretérito perfecto aus einem Hilfsverb und einem Partizip gebildet: he hablado, has comido, ha vivido. Der erste Unterschied liegt beim Hilfsverb selbst. Deutsch teilt sich bekanntlich in haben und sein auf, sein vor allem bei Verben der Bewegung und der Zustandsveränderung (ich bin gegangen, ich bin geworden). Diese Aufteilung gibt es im Spanischen nicht: jedes Verb, ausnahmslos, bildet sein Perfekt mit haber (he ido, he llegado, he sido), nie mit einer Form von ser. Der zweite und wichtigere Unterschied betrifft nicht die Form, sondern den Gebrauch. Das gesprochene Deutsch bevorzugt allgemein das Perfekt. Besonders stark ist das Präteritum im süddeutschen und österreichischen Raum verdrängt: dort ist es außer bei sein, haben und den Modalverben praktisch verschwunden, und das Perfekt deckt sowohl gestern habe ich das gemacht als auch ich habe es schon gemacht ab. In weiten Teilen Spaniens trennt man hier deutlich: ya lo he hecho (noch relevant für jetzt) gegen lo hice ayer (abgeschlossen, mit fester Zeitangabe). Wer aus dem Deutschen übersetzt, ist versucht, he hecho auch für ayer zu benutzen. Wörter wie hoy, esta semana, ya, todavía no oder alguna vez treten häufig mit dem perfecto auf, bestimmen die Form aber nicht mechanisch: entscheidend ist, ob der Sprecher das Geschehen als Teil eines noch offenen Zeitraums sieht. Der Gebrauch schwankt regional und je nach Situation; in weiten Teilen Lateinamerikas wird das indefinido deutlich häufiger benutzt, oft auch mit hoy.

Perfecto vs. indefinido
he/has/ha + Partizipimmer mit *haber*, nie mit einer sein Form, auch nicht bei Bewegungsverben (*he ido*, nicht *soy ido*)
hoy, esta semana, ya, todavía no, alguna vezhäufig mit *perfecto*, wenn der Zeitraum als noch offen gesehen wird, aber kein automatisches Signal
ayer, anoche, el año pasado, en 2020in weiten Teilen Spaniens typischerweise *indefinido*: abgeschlossener Zeitraum
große Teile Spaniens*perfecto* und *indefinido* meist deutlich getrennt, regional unterschiedlich
weite Teile Lateinamerikas*indefinido* deutlich häufiger, oft auch mit *hoy*

Beispiele

  • Todavía no he terminado los deberes.Ich habe die Hausaufgaben noch nicht fertig gemacht (bezieht sich auf jetzt).
  • Ayer hice los deberes antes de cenar.Gestern machte ich die Hausaufgaben vor dem Abendessen (abgeschlossener Zeitraum, *indefinido*).
  • Esta semana he corrido tres veces.Diese Woche bin ich dreimal gelaufen (die Woche ist noch nicht vorbei).

Achtung, Falle: Die eigene Gewohnheit, im gesprochenen Deutsch meist das Perfekt zu nutzen, verleitet dazu, he hecho auch bei einer festen Zeitangabe wie ayer oder la semana pasada zu sagen, wo man in weiten Teilen Spaniens typischerweise das indefinido benutzt (lo hice ayer statt lo he hecho ayer).

Pluscuamperfecto: die Vorvergangenheit

Das pluscuamperfecto (había + Partizip) markiert wie das deutsche Plusquamperfekt eine Handlung, die vor einer anderen Vergangenheitshandlung abgeschlossen war, und wird genauso mit einem Hilfsverb in der Vergangenheit plus Partizip gebildet.

Hier ist das Spanische dem Deutschen ungewöhnlich ähnlich, und das lohnt sich zu sagen, statt einen Unterschied zu erfinden. Genau wie das deutsche Plusquamperfekt aus einem Hilfsverb in der Vergangenheit und einem Partizip besteht (hatte gesehen, war gegangen), besteht das spanische pluscuamperfecto aus había (der Imperfekt Form von haber) plus Partizip: había visto, había ido. Das Konzept überträgt sich direkt: eine Handlung, die schon abgeschlossen war, bevor eine andere Vergangenheitshandlung einsetzte. Cuando llegué, ella ya se había ido entspricht genau als ich ankam, war sie schon gegangen. Wie beim perfecto gibt es aber keine Aufteilung in haber und sein: había ido, nie era ido. Die Falle liegt nicht in der Form, sondern in der eigenen Sprechgewohnheit. Im gesprochenen Deutsch wird das Plusquamperfekt gern vermieden und durch Perfekt plus vorher ersetzt (ich bin vorher angekommen statt war angekommen). Diese Abkürzung ins Spanische übertragen führt dazu, dass die zeitliche Reihenfolge zweier Vergangenheitsereignisse verloren geht, obwohl Spanisch genau dafür das pluscuamperfecto bereithält.

Pluscuamperfecto
había + Partizipwie deutsch *hatte/war + Partizip*, aber immer mit *había*, nie mit einer sein Form
Handlung A vor Handlung B, beide vergangenA steht im *pluscuamperfecto*, B im *indefinido* oder *imperfecto*
ya, todavía no, nunca (vor diesem Zeitpunkt)typische Signalwörter
cuando llegué, se fue / cuando llegué, ya se había idobeide richtig, aber verschieden: sie ging, als ich ankam / sie war schon weg, bevor ich ankam

Beispiele

  • Cuando llegué, ella ya se había ido.Als ich ankam, war sie schon gegangen.
  • No había estudiado nada antes del examen.Ich hatte vor der Prüfung überhaupt nicht gelernt.
  • Nunca había probado la paella hasta ese verano.Ich hatte bis zu jenem Sommer noch nie Paella probiert.

Achtung, Falle: Die deutsche Gewohnheit, das Plusquamperfekt im Alltag zu meiden, führt dazu, dass es im Spanischen auch dort fehlt, wo es die Bedeutung trägt. Cuando llegué, se fue ist richtiges Spanisch, heißt aber: als ich ankam, ging sie, sie ging also in dem Moment weg. Cuando llegué, ya se había ido heißt: als ich ankam, war sie schon gegangen, sie war also vorher weg. Wer das zweite meint und das erste sagt, erzählt einen anderen Ablauf.

Futuro: die einfache Zukunft

Das futuro simple ist eine einzige, synthetische Form ohne Hilfsverb (hablaré), nicht wie das deutsche werden + Infinitiv zweiteilig, und dieselbe Form drückt zusätzlich Vermutung über die Gegenwart aus, ganz ähnlich wie deutsches werden das manchmal auch tut.

Das futuro simple wird gebildet, indem an den Infinitiv direkt Endungen angehängt werden: hablar + é, ás, á, emos, éis, án. Es gibt kein eigenes Hilfsverb wie werden, das getrennt vom Hauptverb steht und den Infinitiv ans Satzende schickt (die deutsche Satzklammer: ich werde morgen früh sehr zeitig aufstehen). Im Spanischen bleibt das Futur immer ein einziges Wort, egal wie lang der Satz drumherum wird. Zwölf gängige Verben verkürzen dabei den Infinitiv, bevor die Endung kommt: tener wird tendré, salir wird saldré, poner wird pondré, decir wird diré, hacer wird haré, und so weiter, siehe Tabelle. Zwei Ähnlichkeiten lohnen sich zu nennen statt eines erfundenen Unterschieds. Erstens benutzt Spanisch für nahe, verabredete Zukunft oft einfach das Präsens mit Zeitangabe (mañana voy al médico), genau wie Deutsch (morgen gehe ich zum Arzt). Zweitens drückt das futuro auch Vermutung über die Gegenwart aus, ¿dónde estará? für wo er wohl gerade ist, und dafür hat Deutsch mit werden tatsächlich eine eigene Entsprechung: das wird Pedro sein für será Pedro. Das ist keine spanische Besonderheit ohne deutsche Parallele.

Futuro simple: Endungen und die häufigsten Ausnahmen
hablar, comer, vivirregelmäßig: Infinitiv + é, ás, á, emos, éis, án
tener, poner, salir, valer, venirStamm verliert Vokal + d: tendré, pondré, saldré, valdré, vendré
decir, hacerverkürzter Stamm: diré, haré
poder, saber, querer, caber, haberVokal fällt weg: podré, sabré, querré, cabré, habré
¿dónde estará?, serán las tresVermutung über die Gegenwart, wie deutsches *werden* (*das wird ... sein*)
mañana voy, mañana irébeide möglich für nahe Zukunft, genau wie im Deutschen

Beispiele

  • Mañana hablaré con el jefe.Morgen spreche ich mit dem Chef.
  • No sé dónde estará Marta ahora mismo.Ich weiß nicht, wo Marta gerade wohl ist (Vermutung, kein echtes Futur).
  • El año que viene tendremos más tiempo.Nächstes Jahr werden wir mehr Zeit haben.
  • Serán las tres de la tarde.Es ist wohl drei Uhr nachmittags.

Achtung, Falle: Weil Deutsch das Futur zweiteilig baut und den Infinitiv oft ans Satzende schickt, wird bei langen spanischen Sätzen manchmal versucht, das Futurverb wie ein Hilfsverb zu behandeln, dabei ist hablaré eine einzige finite Verbform, die nicht wie deutsches werden + Infinitiv auf zwei Stellen im Satz verteilt wird.

Condicional: die spanische würde-Form

Das condicional simple (hablaría) ist wie das futuro eine einzige Form ohne Hilfsverb und steht für Höflichkeit, im Folgesatz einer hypothetischen Bedingung, für Vermutungen über die Vergangenheit und für die Zukunft aus vergangener Sicht; direkt nach dem hypothetischen si steht es aber nicht, auch wenn das gesprochene Deutsch mit doppeltem würde genau das nahelegt.

Wie das futuro hängt das condicional seine Endungen direkt an den Infinitiv, benutzt aber überall dieselben Endungen wie das Imperfekt der -er/-ir Verben: hablaría, comerías, viviría. Dieselben zwölf Verben, die im Futur den Stamm verkürzen, tun das auch hier: tendría, pondría, diría, haría. Das condicional hat vier Hauptverwendungen, nicht nur eine. Es steht im Hauptsatz einer hypothetischen Bedingung (si tuviera tiempo, viajaría, Entsprechung von wenn ich Zeit hätte, würde ich reisen), es macht Bitten höflich (¿podrías ayudarme?, genau wie deutsches könntest du mir helfen?), es drückt Vermutung über die Vergangenheit aus (serían las tres cuando llegó, es war wohl drei Uhr, als er ankam), und es berichtet eine Zukunft, die von einem vergangenen Zeitpunkt aus gesehen wird: dijo que vendría, er sagte, er würde kommen. Diese letzte Verwendung wird leicht übersehen, weil sie nach nichts typisch Spanischem klingt, aber sie ist eine der häufigsten im Alltag, überall dort, wo jemand über eine damals zukünftige Ankündigung spricht. Bei der Höflichkeit und im Folgesatz einer Bedingung entspricht das condicional oft dem deutschen Konjunktiv II (würde, könnte), ist aber selbst kein Konjunktiv: im hypothetischen si-Satz übernimmt diese Rolle auf Spanisch das imperfecto de subjuntivo (si tuviera, wenn ich hätte).

Condicional: die vier Verwendungen
si + imperfecto de subjuntivo, condicional im Folgesatzhypothetische Bedingung: *si lo supiera, te lo diría*, nicht *si lo sabría*
¿podrías...?, querría...Höflichkeit, wie deutsches *könntest du, ich würde gern*
dijo que vendría, pensé que llegaría tardeberichtete Zukunft aus vergangener Sicht, wie *er sagte, er würde kommen*
serían las tres, tendría unos veinte añosVermutung über die Vergangenheit
tendría, pondría, diría, haría, podría, querría, sabría, saldría, vendríadieselben verkürzten Stämme wie beim *futuro*

Beispiele

  • Si tuviera más dinero, viajaría por Sudamérica.Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich durch Südamerika reisen.
  • ¿Podrías cerrar la ventana, por favor?Könntest du bitte das Fenster schließen?
  • Dijo que llegaría antes de las nueve.Er/sie sagte, er/sie würde vor neun ankommen.
  • Serían las diez cuando sonó el teléfono.Es war wohl zehn Uhr, als das Telefon klingelte.

Achtung, Falle: Im gesprochenen Deutsch verdoppelt sich würde gern auch im wenn-Satz selbst (wenn ich das wissen würde, würde ich es dir sagen), und genau diese Gewohnheit führt zum klassischsten aller Spanischfehler: das hypothetische si nimmt nicht das condicional, sondern das imperfecto de subjuntivo (si lo supiera, nicht si lo sabría). In dieser Art von si-Konstruktion gehört das condicional in den Folgesatz (...te lo diría), nicht direkt hinter si. In anderen Nebensätzen steht es ganz normal, etwa in dijo que llegaría.

Subjuntivo presente: der Modus für Wunsch und Zweifel

Wo Deutsch nach Verben wie wollen, sich wünschen oder bezweifeln im dass-Satz beim Indikativ bleibt, verlangt derselbe Satz auf Spanisch mit anderem Subjekt den subjuntivo, zum Beispiel quiero que vengas, nie quiero que vienes.

Nach Verben des Wunsches, der Bitte, des Zweifels und der Gefühlsäußerung steht im spanischen que-Satz mit einem anderen Subjekt der subjuntivo, obwohl der deutsche dass-Satz an derselben Stelle ganz gewöhnlichen Indikativ hat: quiero que vengas heißt wörtlich ich möchte, dass du kommst, aber mit Konjunktiv nur im spanischen Nebensatz. Der Modus wechselt hier, im Deutschen an dieser Stelle nicht, und das ist der Kern des häufigsten Fehlers.

Bei vielen Verben, besonders bei solchen wie querer, steht der Infinitiv statt eines Nebensatzes, wenn beide Handlungen dasselbe Subjekt haben: quiero venir wie ich möchte kommen. Das hängt aber vom einzelnen Verb ab, manche verlangen dafür eine eigene Präposition oder Konstruktion: me alegro de estar aquí, ich freue mich, hier zu sein. Nach bejahtem creer steht meist der Indikativ (creo que viene), nach verneintem meist der subjuntivo (no creo que venga). Das ist ein nützlicher Grundkontrast, aber keine Regel, nach der die Verneinung jedes solche Verb mechanisch umkippt. Bei decir entscheidet die Bedeutung: digo que viene ist eine Behauptung und nimmt den Indikativ, te digo que vengas heißt ich sage dir, du sollst kommen, ist eine Aufforderung und nimmt den subjuntivo, obwohl decir bejaht ist.

Der subjuntivo steht nicht nur nach Verben des Wünschens und Zweifelns. Er folgt auch auf cuando, en cuanto und hasta que, wenn sie auf einen noch nicht erreichten Zeitpunkt zeigen (cuando pidas la cuenta, avísame, auf Deutsch ganz normaler Indikativ: wenn du die Rechnung verlangst), auf para que (lo explico para que entiendas), auf aunque, wenn das Gesagte nicht als Tatsache gilt (aunque sea difícil), und auf eine Person oder Sache, von der man nicht weiß, ob es sie gibt (busco a alguien que sepa japonés).

Die Formen: -ar-Verben bekommen e-Endungen (hable, hables...), -er- und -ir-Verben a-Endungen (coma, viva...). Ein unregelmäßiger yo-Stamm im Präsens bleibt erhalten (tengo wird tenga, salgo wird salga), eine Handvoll Verben ist ganz eigen (sea, esté, vaya, sepa, haya, dé).

Bei Verben mit Stammwechsel verschwindet dieser bei -ar- und -er-Verben in nosotros und vosotros (quiera, aber queramos), bei -ir-Verben bleibt dort ein kleinerer Wechsel erhalten, e zu i oder o zu u: pida, pidamos, sienta, sintamos, duerma, durmamos.

Bildung und Stammwechsel im Presente
*-ar*: hable, hables, hable, hablemos, habléis, hablene-Endungen
*-er*/*-ir*: coma, comas...; viva, vivas...a-Endungen
*querer* (e zu ie, -ar/-er-Typ)quiera, quieras, quiera, queramos, queráis, quieran
*volver* (o zu ue, -ar/-er-Typ)vuelva, vuelvas, vuelva, volvamos, volváis, vuelvan
*pedir* (e zu i, -ir-Typ)pida, pidas, pida, pidamos, pidáis, pidan
*sentir* (e zu ie/i, -ir-Typ)sienta, sientas, sienta, sintamos, sintáis, sientan
*dormir* (o zu ue/u, -ir-Typ)duerma, duermas, duerma, durmamos, durmáis, duerman
unregelmäßigsea, esté, vaya, sepa, haya, dé

Beispiele

  • Quiero que vengas a cenar el sábado.Ich möchte, dass du am Samstag zum Abendessen kommst.
  • No creo que sea tan difícil.Ich glaube nicht, dass es so schwer ist.
  • Ojalá durmamos bien esta noche.Hoffentlich schlafen wir heute Nacht gut.
  • Cuando pidas la cuenta, avísame.Wenn du nach der Rechnung fragst, sag mir Bescheid.

Achtung, Falle: Der Reflex ist, den deutschen dass-Satz nach wollen, sich wünschen oder bezweifeln Wort für Wort in den Indikativ zu übertragen, weil Deutsch dort den Modus nie wechselt: quiero que vienes statt quiero que vengas.

Imperativo: der Befehlsmodus

Die Verneinung wechselt auf Spanisch die ganze Verbform zum subjuntivo (no hables), während Deutsch bei sprich und sprich nicht dieselbe Imperativform beibehält.

Die tú-Form des bejahten Imperativs sieht aus wie die dritte Person Singular im Presente (habla, come, vive), die vosotros-Form ersetzt das r des Infinitivs durch ein d (hablad, comed, vivid), und usted/ustedes leihen sich die Form aus dem subjuntivo. Das deckt sich mit du, ihr und Sie im Deutschen, nur bleibt Sie dort für Singular und Plural gleich, während Spanisch usted und ustedes trennt.

Der eigentliche Unterschied liegt in der Verneinung. Deutsch benutzt für komm nicht dieselbe Verbform wie für komm und setzt nur nicht dazu, Spanisch dagegen wechselt bei der Verneinung komplett auf den subjuntivo: habla wird zu no hables, ven zu no vengas. Wer wörtlich überträgt, landet bei no habla, das als Befehl im Spanischen falsch ist.

Ein paar sehr häufige tú-Formen sind unregelmäßig und folgen keinem Muster: ten, pon, haz, ve, sal, sé, di, ven. Jede hat ihre eigene verneinte Form im subjuntivo (no tengas, no pongas, no hagas...), die Tabelle zeigt beide nebeneinander.

Objekt- und Reflexivpronomen hängen beim bejahten Imperativ ans Verb (levántate, dímelo), bei der Verneinung stehen sie davor (no te levantes), wie im Abschnitt zu den Pronomen beschrieben, im Deutschen bleibt das Pronomen immer ein eigenes Wort.

Bejaht und verneint (tú)
hablarhabla, no hables
comercome, no comas
vivirvive, no vivas
tenerten, no tengas
ponerpon, no pongas
hacerhaz, no hagas
irve, no vayas
venirven, no vengas
decirdi, no digas
sersé, no seas

Beispiele

  • Habla más despacio, por favor.Sprich bitte langsamer.
  • No hables tan rápido.Sprich nicht so schnell.
  • Ven aquí un momento.Komm einen Moment hierher.
  • No vengas tarde mañana.Komm morgen nicht zu spät.

Achtung, Falle: Der Reflex ist, wie im Deutschen nur eine Verneinung zur bejahten Form hinzuzufügen und no habla statt no hables zu sagen, weil Deutsch die Verbform bei der Verneinung nicht wechselt.

Por und para: zwei Wörter für für

Deutsches für ist kein Wegweiser: bei Zweck, Empfänger und Frist entspricht es para, bei Dank, Preis und dir zuliebe entspricht es por, und dazu deckt por Ursache, Mittel, Weg und Urheber ab, wofür Deutsch ganz andere Wörter hat.

Deutsches für entspricht oft para: bei Zweck (para aprender), Empfänger (un regalo para ti) und Frist (para el lunes). Genauso oft entspricht es aber por: danke für deine Hilfe ist gracias por tu ayuda, für 20 Euro ist por 20 euros, und ich mache es für dich im Sinn von dir zuliebe oder in deinem Auftrag ist lo hago por ti. Für allein ist also kein Hinweis darauf, welches der beiden Wörter gebraucht wird.

Por hat im Deutschen keine einzelne Entsprechung und wird deshalb oft vergessen: neben Dank, Preis und dir zuliebe steht es für die Ursache (por la lluvia, wegen des Regens), das Mittel (por teléfono, per Telefon), den Weg, auf dem etwas geschieht (por el parque, durch den Park), und den Urheber im Passiv (escrito por Cervantes, von Cervantes geschrieben).

Am deutlichsten wird der Unterschied bei para ti gegen por ti: para ti heißt, etwas ist für dich bestimmt, por ti heißt meist wegen dir, dir zuliebe oder in deinem Auftrag. Für an deiner Stelle sagt Spanisch dagegen normalerweise en tu lugar oder yo que tú.

Auch bei Zeit und Richtung trennen sich beide: salgo para Madrid nennt das Reiseziel, paso por Madrid nennt nur die Durchreise, und feste Ausdrücke wie por la mañana oder por la noche für die Tageszeit gehören ebenfalls zu por, nicht zu para.

para oder por
para + Zweckpara aprender español (um Spanisch zu lernen)
para + Empfängerun regalo para ti (ein Geschenk für dich)
para + Fristpara el lunes (bis Montag)
por + Ursachepor la lluvia (wegen des Regens)
por + Dankgracias por tu ayuda (danke für deine Hilfe)
por + Personlo hago por ti (dir zuliebe, in deinem Auftrag)
por + Preis, Tauschlo pagué por 20 euros (ich zahlte 20 Euro dafür)
por + Wegpor el parque (durch den Park)
por + Urheberescrito por Cervantes (von Cervantes geschrieben)
por + Tageszeitpor la mañana (am Morgen, ungefähre Zeitangabe)

Beispiele

  • Este regalo es para ti.Dieses Geschenk ist für dich.
  • No pude salir por la lluvia.Ich konnte wegen des Regens nicht rausgehen.
  • Compré el coche por tres mil euros.Ich kaufte das Auto für dreitausend Euro.
  • Caminamos por la playa toda la tarde.Wir liefen den ganzen Nachmittag am Strand entlang.

Achtung, Falle: Weil Deutschsprachige für zu automatisch mit para verbinden, wird para auch dort benutzt, wo es um Ursache, Dank, Preis oder einen Weg geht: gracias para tu ayuda statt gracias por tu ayuda, para eso statt por eso für deswegen, oder para el parque statt por el parque für durch den Park.

Preposiciones frecuentes: feste Verben mit Präposition

Deutsche Wechselpräpositionen wie in, an und auf unterscheiden die genaue Lage und wechseln je nach Bewegung den Fall, Spanisch deckt die ruhige Lage meist allein mit en ab, ohne Fälle und ohne diese Unterscheidung.

Deutsch unterscheidet bei der Lage mit den Wechselpräpositionen in, an und auf genau, ob etwas innen, an einer Fläche oder obenauf ist, und der Fall wechselt zwischen Dativ und Akkusativ, je nachdem ob eine Bewegung dahin führt. Spanisch kennt keine Fälle und deckt die ruhige Lage meist mit dem einen Wort en ab: en la mesa kann auf dem Tisch heißen, en el cajón im Schubfach, ohne dass sich am Wort etwas ändert.

Für die Bewegungsrichtung steht a (voy a Madrid), und vor einer bestimmten, identifizierten Person als direktem Objekt steht normalerweise zusätzlich ein a, das im Deutschen keine Entsprechung hat (veo a mi hermano): Deutsch markiert das Objekt über den Fall (ich sehe meinen Bruder), hat aber keine vergleichbare Präposition vor einem persönlichen direkten Objekt. Ist die Person nicht bestimmt, kann das a fehlen: busco a la secretaria meint eine bestimmte Sekretärin, busco una secretaria que hable alemán irgendeine, die Deutsch spricht.

De übernimmt oft, was Deutsch mit dem Genitiv oder mit von ausdrückt: la casa de Juan für Juans Haus oder das Haus von Juan, ohne eigene Endung am Namen.

Am meisten stolpert man über feste Verbindungen aus Verb und Präposition, die im Deutschen eine ganz andere Präposition oder gar keine haben: pensar en algo (an etwas denken, etwas im Kopf haben, anders als pensar sobre algo, über ein Thema nachdenken), soñar con algo (von etwas träumen) und casarse con alguien, wo das deutsche Verb heiraten überhaupt keine Präposition braucht. Die Tabelle sammelt die häufigsten.

Verben mit fester Präposition
pensar en algo/alguienan etwas oder jemanden denken, im Kopf haben; pensar sobre algo = über ein Thema nachdenken
soñar con algo/alguienvon etwas oder jemandem träumen (con, nicht de)
enamorarse de alguiensich in jemanden verlieben (de, nicht en)
casarse con alguienjemanden heiraten (con ist nötig, das deutsche Verb braucht keine Präposition)
depender de algovon etwas abhängen (de entspricht von)
tratarse de algoes geht um etwas (de, nicht sobre)

Beispiele

  • Pienso mucho en mi abuela.Ich denke viel an meine Großmutter.
  • Se casó con un compañero de trabajo.Sie oder er heiratete einen Arbeitskollegen.
  • Todo depende del tiempo que haga.Alles hängt vom Wetter ab.
  • Vi a tu hermano en el mercado.Ich habe deinen Bruder auf dem Markt gesehen.

Achtung, Falle: Weil im Deutschen die Präposition am Verb hängt, wird sie oft wörtlich übertragen, enamorarse en statt enamorarse de (sich verlieben in) oder soñar de statt soñar con, und die persönliche a vor einer bestimmten Person fällt weg, weil Deutsch dort keine Präposition setzt.

Perífrasis: ir a, acabar de, estar + gerundio

Die hier behandelten Perífrasis verbinden ein konjugiertes Verb, oft mit a oder de, mit einem Infinitiv oder Gerundio; daneben gibt es auch Perífrasis mit Partizip, etwa tener + participio (tengo leídas cuatro páginas).

Deutsch bildet die Zukunft mit einem einzigen Hilfsverb, werden plus Infinitiv, oft ersetzt durch Präsens und Zeitangabe: "ich rufe gleich an". Spanisch hat neben dem futuro simple eine periphrastische Zukunft, ir a plus Infinitiv, die im gesprochenen Spanisch sehr häufig ist. Sie drückt oft eine Absicht aus (voy a llamarte, ich rufe dich an), aber ebenso eine Vorhersage über etwas, das weder geplant noch besonders nah sein muss: creo que esa película te va a gustar, si sales ahora, te vas a mojar.

Für "gerade eben etwas getan haben" hat Deutsch kein eigenes Hilfsverb, nur das Adverb gerade plus Perfekt: "ich habe gerade gegessen". Spanisch benutzt dafür acabar de + Infinitiv, in dieser Bedeutung typischerweise im PRÄSENS, obwohl die Handlung vorbei ist: acabo de comer, ich habe gerade gegessen. Aus der Sicht eines vergangenen Moments steht dieselbe Konstruktion im Imperfekt: acababa de comer cuando llamaste, ich hatte gerade gegessen, als du anriefst. Acababa ist dabei ein imperfecto, keine Form des pluscuamperfecto, auch wenn die ganze Konstruktion ein Ereignis unmittelbar vor einem anderen vergangenen Ereignis ausdrückt. Die Falle: weil die Bedeutung Vergangenheit ist, greifen deutsche Sprecher instinktiv zum indefinido, aber acabé de comer heißt nicht ich habe gerade gegessen, sondern ich habe fertig gegessen, ich wurde mit dem Essen fertig. Es bleibt dieselbe Konstruktion mit de + Infinitiv, nur mit der Bedeutung beenden statt gerade eben.

Estar plus Gerundio hat im Standarddeutschen keine eigene Form, das Präsens deckt meist beides ab: "ich esse" ist sowohl como als auch, im Moment gerade, estoy comiendo. Umgangssprachlich gibt es zwar "ich bin am Essen", im neutralen Standarddeutsch wird der Verlauf aber normalerweise nicht eigens markiert. Anders als das Englische, das die Verlaufsform fast erzwingt, greift Spanisch oft genau wie Deutsch zum einfachen Präsens. Estar plus Gerundio betont, dass etwas gerade läuft, auch über einen längeren, als aktuell empfundenen Zeitraum: este año estoy estudiando alemán.

Die drei Perífrasis
ir a + infinitivoperiphrastische Zukunft, im gesprochenen Spanisch sehr häufig, oft für Absichten und Vorhersagen: voy a llamar, te va a gustar
acabar de + infinitivogerade eben getan, Verb bleibt im Präsens: acabo de llegar
acababa de + infinitivogerade eben getan, aus der Sicht eines vergangenen Moments; acababa ist imperfecto: acababa de llegar cuando sonó el teléfono
estar + gerundioHandlung gerade im Gange oder über einen als aktuell empfundenen Zeitraum: estoy estudiando alemán este año
acabé de + infinitivomit etwas fertig werden: acabé de comer a las tres
acabar + Objektnormales Verb beenden: acabé el informe

Beispiele

  • Voy a llamarte en cuanto llegue a casa.Ich rufe dich an, sobald ich zu Hause bin.
  • Acabo de terminar la reunión, dame cinco minutos.Ich bin gerade eben mit dem Meeting fertig geworden, gib mir fünf Minuten.
  • Estoy aprendiendo a tocar la guitarra este verano.Ich lerne diesen Sommer gerade Gitarre spielen.
  • Cuando llegamos, todavía estaba lloviendo.Als wir ankamen, regnete es noch.

Achtung, Falle: Wer ich habe gerade gegessen mit einer Vergangenheitsform überträgt, sagt acabé de comer und meint gerade eben, sagt aber ich wurde mit dem Essen fertig. Für gerade eben steht acabar de im Präsens (acabo de comer), aus der Sicht eines vergangenen Moments im Imperfekt (acababa de comer cuando...).

Acentos y ortografía

Der spanische Akzent markiert fast immer, WELCHE Silbe betont wird, nicht einen anderen Laut, außer bei den wenigen diakritischen Pärchen wie tú/tu, die zwei Wörter gleicher Aussprache unterscheiden.

Deutsch markiert die Wortbetonung normalerweise nicht mit einem geschriebenen Zeichen. Umlaute (ä, ö, ü) sehen wie Akzente aus, sind aber eigene Buchstaben für eigene Laute, kein Hinweis auf Betonung. Genau diese Gewohnheit führt in die Falle: wer den spanischen Akzent wie einen Umlaut behandelt, glaubt, er verändere den Vokalklang. Meistens stimmt das nicht, das a in árbol klingt wie jedes andere a, der Strich sagt nur, wo der Ton liegt.

Wörter mit Betonung auf der letzten Silbe (agudas) bekommen einen Akzent, wenn sie auf Vokal, n oder s enden: cantó, según, compás, sonst nicht: reloj, papel. Wörter mit Betonung auf der vorletzten Silbe (llanas, der Normalfall) bekommen nur einen Akzent, wenn sie NICHT auf Vokal, n oder s enden: árbol, fácil, lápiz. Wörter, die auf zwei oder mehr Konsonanten enden, bilden eine eigene Gruppe, egal welcher Konsonant am Ende steht: agudas bekommen dann normalerweise keinen Akzent (robots), llanas bekommen einen (bíceps, wéstern). Wörter mit Betonung auf der drittletzten Silbe (esdrújulas) tragen ihn immer, ausnahmslos: rápido, teléfono. Formen mit angehängtem Pronomen folgen denselben Regeln wie jedes andere Wort: dime, dame, hazlo, decirme haben keinen Akzent, dímelo, levántate, explícamelo bekommen einen, weil die betonte Silbe durch das Pronomen auf die drittletzte oder eine noch frühere rückt.

Eine zweite Gruppe hat mit Betonung nichts zu tun: der acento diacrítico unterscheidet zwei gleich klingende Wörter nach ihrer Funktion, tú (du) von tu (dein), él (er) von el (der), sí (ja) von si (wenn). Beim Adverb solo und bei den Demonstrativpronomen wie este ist es anders: nach der aktuellen Norm der RAE schreibt man sie ohne Akzent, wenn keine Mehrdeutigkeit besteht. Nur wo der Schreibende eine echte Mehrdeutigkeit sieht, ist der Akzent auf sólo oder éste erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Auch die früheren Regeln verlangten ihn nicht unterschiedslos in jedem Fall.

Die Tilde über dem ñ ist kein Akzent, sondern macht aus n einen eigenen Buchstaben, ähnlich wie das deutsche ä ein eigener Buchstabe ist, nur mit einer eigenen Aussprache statt nur einer Betonung.

Wortbetonung und Akzent
agudas (letzte Silbe betont)Akzent nur bei Endung auf Vokal, n, s: cantó, según, compás, sonst nicht: reloj, papel
llanas (vorletzte Silbe, Normalfall)Akzent nur wenn NICHT auf Vokal, n, s: árbol, fácil, lápiz
Endung auf zwei oder mehr Konsonanteneigene Gruppe, egal welcher Konsonant: aguda ohne Akzent (robots), llana mit Akzent (bíceps, wéstern)
esdrújulas (drittletzte Silbe)immer Akzent: rápido, teléfono, música
sobresdrújulas (vor der drittletzten Silbe betont)immer Akzent: explícamelo, cómetelo
Verb + angehängtes Pronomennormale Regeln: dime, hazlo, decirme ohne Akzent; dímelo, levántate, explícamelo mit
diptongo vs. hiatoAkzent auf dem schwachen Vokal trennt die Silbe: país, raíz, día
acento diacríticounterscheidet Funktion, nicht Aussprache: tú/tu, él/el, sí/si, sé/se, dé/de, más/mas

Beispiele

  • ¿Vienes tú a la fiesta, o prefieres quedarte en casa?Kommst du zur Party, oder bleibst du lieber zu Hause?
  • El médico me dijo que solo necesito descansar un poco.Der Arzt sagte mir, ich müsse nur ein bisschen ausruhen.
  • Mi teléfono nuevo es rapidísimo, pero la cámara todavía no es muy buena.Mein neues Telefon ist superschnell, aber die Kamera ist noch nicht sehr gut.
  • Mi tía vive en un país donde llueve casi todos los días.Meine Tante lebt in einem Land, in dem es fast jeden Tag regnet.

Achtung, Falle: Wer año ohne Tilde als ano schreibt, glaubt nur einen Akzent vergessen zu haben, vergisst aber einen eigenen Buchstaben und schreibt ein anderes, unangenehmes Wort, After statt Jahr.

Números, fechas y la hora

Beim Datum kannst du deiner deutschen Reihenfolge vertrauen, bei Zahlen und bei der halben Stunde nicht: veintiuno stellt die Zehner vor die Einer, anders als einundzwanzig, und tres y media heißt 3:30, nicht cuatro y media.

Im Deutschen kommt bei zweistelligen Zahlen die Einerstelle zuerst, einundzwanzig ist wörtlich eins und zwanzig. Spanisch zählt in der Reihenfolge, in der man die Ziffern liest, Zehner vor Einer: veintiuno, treinta y cuatro. Die Falle liegt in der Aussprache unter Zeitdruck: das deutsche Ohr will die Einerstelle zuerst hören und vertauscht beim schnellen Diktieren leicht die beiden Stellen.

Als Dezimalzeichen lässt die RAE Komma und Punkt zu; in Spanien ist wie im Deutschen das Komma üblich, 3,5 kilos, in Teilen Lateinamerikas der Punkt. Tausender trennt man nach der aktuellen Rechtschreibung nicht mit einem Punkt, sondern mit einem schmalen Leerzeichen, 3 500 000, und vierstellige Zahlen bleiben ohne Trennung, 2500. Im Alltag und in älteren Texten sieht man trotzdem oft den Punkt, 3.500.000, wie im Deutschen: das ist verbreitet, aber nicht die empfohlene Schreibung.

Beim Datum gilt dieselbe Reihenfolge wie im Deutschen, Tag vor Monat vor Jahr: 21 de julio de 2026 wie "21. Juli 2026", numerisch 21/07/2026, nicht die amerikanische Monat-zuerst-Reihenfolge. Spanisch setzt de zwischen die Teile statt eines Punktes, und Monate sowie Wochentage werden klein geschrieben, julio, lunes, anders als deutsche Substantive. Für den Tag selbst benutzt Spanisch fast immer die Kardinalzahl statt der deutschen Ordnungszahl: el veintiuno de julio, nicht "der Einundzwanzigste". Nur der Erste des Monats kann beides sein: el uno de enero oder el primero de enero.

Bei der Uhrzeit funktionieren die Viertelstunden fast wie im Deutschen, y cuarto und menos cuarto beziehen sich wie "nach" und "vor" auf die genannte Stunde. Die halbe Stunde ist die Falle: Deutsch sagt "halb neun" und meint 8:30, die Hälfte auf dem Weg zur nächsten Stunde, Spanisch sagt las ocho y media und bleibt bei der laufenden Stunde acht. Wer "halb neun" wörtlich denkt, sagt leicht las nueve y media und meint 8:30, sagt aber 9:30.

Zahlen, Datum, Uhrzeit im Vergleich
21 = veintiunoZehner vor Einer wie geschrieben, nicht wie im Deutschen umgekehrt gesprochen
3,5in Spanien Komma als Dezimalzeichen wie im Deutschen; der Punkt ist ebenfalls zugelassen
3 500 000Tausender empfohlen mit schmalem Leerzeichen, nicht mit Punkt; vierstellig ohne Trennung: 2500
21/07/2026Tag.Monat.Jahr wie im Deutschen, nicht die amerikanische Reihenfolge
julio, lunesMonate und Wochentage klein geschrieben, anders als deutsche Substantive
las ocho y media = 8:30bezieht sich auf die laufende Stunde acht, nicht wie 'halb neun' auf die neunte
las nueve menos cuarto = 8:45entspricht 'Viertel vor neun', gleiche Logik wie im Deutschen

Beispiele

  • Tengo treinta y cuatro años y mi hermano, veintinueve.Ich bin vierunddreißig Jahre alt und mein Bruder neunundzwanzig.
  • Nos vemos el 21 de julio de 2026, a las tres y media.Wir sehen uns am 21. Juli 2026 um halb vier.
  • El vuelo sale a las nueve menos cuarto de la mañana.Der Flug geht um Viertel vor neun morgens.
  • El paquete pesa 2,5 kilos y cuesta 15,90 euros.Das Paket wiegt 2,5 Kilo und kostet 15,90 Euro.

Achtung, Falle: Die Uhrzeit tres y media heißt 3:30, aber wer sie aus dem deutschen 'halb vier' rückübersetzt, sagt oft cuatro y media und meint dieselbe Zeit wie im Deutschen, nur eine Stunde zu spät.